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Donnerstag, 8. September 2011

Wenn alle Brünnlein fließen


 Sprudelten die Brunnen zu Zeiten Ludwig XIV. mitte des 17.Jhdt. noch als Ausdruck vitaler Lebensfreude, wird ihnen nun scheinbar in der Endphase des Kapitalismus Anfang des 21. Jhdts. immer öfters das Wasser abgedreht.

Grund dafür ist aber nicht akuter Wassermangel wie in Somalia, sondern die Finanzknappheit mancher Kommunen. So hat man in meiner Heimatstadt Erlangen nun schon das 2. Jahr in Folge repräsentative Brunnen ausgetrocknet. 
Der nach dem größten Sohn der Stadt, dem Physiker Georg-Simon-Ohm, benannte Brunnen modert vor sich hin, weil er nicht mehr technisch "sicher" ist und die Restaurierung und Reparatur Hunderttausend Euro kosten würde. Ganz zu schweigen von der Instandhaltung, der Laubentfernung aus dem Brunnenbecken, wasserfester Anstrich etc.







 Photos: In Ansbach und Paris plätschern die Brunnen. Aber wie lange noch?


 Die 10 Pfennig die man früher noch in den Münzschlitz bei der Gedenktafel Ohms stecken musste, damit die Fontänen gegen alle Widerstände in einem wirbelnden Allegro loslegen konnten und, falls es schon dunkel war, noch von Lichteffekten untermalt wurden, waren wohl damals schon mehr als symbolischer Beitrag zur Kaffeekasse der kommunalen Landschaftspfleger zu verstehen, als eine sprudelnde Einnahmequelle für den Unterhalt.





Brunnen am Ohmplatz in Erlangen außer Betrieb.


Aber es hat funktioniert. Es ging jedenfalls noch. Und darauf kommt es an. 
Jetzt heißen die rhetorischen Fragen: 
Wollt Ihr renovierte Schulen oder Brunnen? Bildung oder Kunst? Kindergärten oder Kultur?


  
Photos: Theodor-Heuss-Anlage
2006 sprudelte noch das Wasser.
Im Winter muss das Becken von Laub gereinigt werden.


Auch den kleinen Fontänen in der Theodor-Heuss-Anlage wurde der Saft abgedreht, weil von ihnen eine Gefährdung ausgeht. Sprich: Es müsste alles Neu gemacht werden und dafür fehlt der Siemens-und Uni-Stadt bis 2013 schlicht und einfach das Geld. 
Kaum zu glauben, wenn man einen Global-Player wie Siemens innerhalb der Stadtmauern beherbergt, die locker mal ein paar Millionen für einen Auftrag hinblätterten. Daß da die Stadt finanziell nicht mehr davon profitieren kann, ist mir ein Rätsel.
Man sollte in Zeiten einer Haushaltskrise eher wieder zu pragmatischeren Vorgehen zurückkehren. Muss ja nicht alles Tipp-Topp deutsch-perfekt sein. Es reicht ja schon, wenn eine Pumpe in einem Wasserbecken einfach nur Wasser hochpumpt. Meinetwegen auch für 
10 ct. und ohne Beleuchtung.

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